Produktionskontrolle in China: AQL macht Abweichung verhandelbar
Produktionskontrolle in China wird erst steuerbar, wenn Sie vor der Fertigung festlegen, wie viele fehlerhafte Stücke Sie akzeptieren. Genau das leistet AQL, das Acceptable Quality Limit, nach dem Stichprobenverfahren der Norm ISO 2859-1: Aus Losgröße und Prüfstufe ergibt sich der Stichprobenumfang, aus Fehlerklasse und AQL-Wert ergeben sich Annahme- und Ablehnungszahlen. Die Abnahmeentscheidung ist damit kein Telefonat unter Zeitdruck, sondern eine nachvollziehbare Rechnung.
AQL bewertet zählbare Merkmale – Optik, Maßhaltigkeit, Funktion, Verpackung. Chemische Konformität erfasst es nicht. Wer Glaswaren oder Verpackung für den Lebensmittelkontakt importiert, braucht beides: eine Stichprobenprüfung für die Serie und Laborprüfungen für das Material; die Anforderungen an Lebensmittelkontaktmaterialien sind unionsrechtlich geregelt [1].
AQL-Grenzen und Prüfstufen richtig wählen
Fehlerklassen zuerst definieren
Vor jedem AQL-Wert steht die Frage, was überhaupt ein Fehler ist. Diese Definition gehört schriftlich in den Prüfplan, mit Fotos, Maßtoleranzen und Grenzmustern.
- Kritische Fehler: Bruchgefahr, scharfe Kanten, Verunreinigungen, falsches Material – hier gilt AQL 0, ein einziger Fund führt zur Ablehnung des Loses.
- Schwerwiegende Fehler (Major): Undichtigkeit, falsche Wandstärke, Maßabweichung außerhalb der Toleranz. Sie beeinträchtigen Funktion oder Verkaufstauglichkeit.
- Geringfügige Fehler (Minor): Kratzer, Einschlüsse, leichte Farbabweichungen innerhalb definierter Grenzen. Sie mindern den Eindruck, nicht die Funktion.
Prüfstufe und Losgröße bestimmen den Umfang
Die Prüfstufe verschiebt den Stichprobenumfang, ohne die AQL-Werte zu verändern. Der Umfang wächst mit der Losgröße, aber unterproportional.
- Prüfstufe II ist der branchenübliche Standard für Konsumgüter und Gastronomieartikel.
- Prüfstufe I reduziert den Umfang und passt nur bei stabiler Lieferhistorie und geringem Risiko.
- Prüfstufe III erhöht ihn – sinnvoll bei neuen Lieferanten oder sicherheitsrelevanten Merkmalen.
- Sonderprüfstufen S-1 bis S-4 sind für zerstörende, teure oder langsame Prüfungen gedacht.
- Umschaltregeln greifen erst über mehrere Lose hinweg und sind bei Einzelbestellungen praktisch bedeutungslos.
Wann geprüft wird, hängt auch am Incoterm
- During Production (DUPRO): findet systematische Fehler, solange die Linie noch korrigierbar läuft.
- Pre-Shipment Inspection (PSI): die klassische Endabnahme kurz vor der Verladung.
- Loading Supervision: Zählkontrolle und Sicherung der Kartons beim Verladen.
Bei FOB endet die Gefahrtragung, sobald die Ware an Bord ist, bei DDP trägt der Verkäufer das Risiko bis zur Anlieferung am Zielort [2]. Die Prüfung muss also vor dem Punkt liegen, an dem das Risiko auf Sie übergeht.
Prüfbericht und Rückverfolgbarkeit zu Chargen
Was in den Prüfbericht gehört
- Los-Identifikation: Auftragsnummer, Los- oder Chargennummer, Artikelnummer und Menge im Los.
- Prüfplan: Fehlerklassen mit AQL-Wert, Prüfstufe, Prüfmerkmale und Messmethode.
- Ergebnis: gefundene Fehler je Klasse, Annahme- und Ablehnungszahlen, Fotos der beanstandeten Stücke.
- Rahmendaten: Prüfort, Datum, prüfende Person, verwendete Messmittel.
- Verpackung: Kartonmaße, Etiketten, Sprachfassungen, Artikelnummer auf dem Umkarton.
Chargenbezug herstellen
AQL arbeitet mit Losen, nicht mit Einzelstücken. Eine Rückverfolgung bis zum einzelnen Glas ist weder möglich noch beabsichtigt – bis zur Charge muss sie funktionieren.
- Die Los-Nummer muss identisch sein in Prüfbericht, Packliste, Handelsrechnung und auf dem Umkarton.
- Rückstellmuster je Charge aufbewahren und mit Los-Nummer und Foto dokumentieren.
- Fotos mit Zeitstempel, auf denen das Chargenetikett sichtbar ist, verbinden Dokument und Ware.
- Die Kette bis in Ihre eigene Wareneingangsprüfung fortsetzen, sonst endet sie an der Rampe.
Wann eine Stichprobe nicht genügt
Laborprüfungen ergänzen die Sichtprüfung
Sichtprüfung erkennt keine Migration. Für Produkte mit Lebensmittelkontakt gehören Material- und Migrationsprüfungen in den Prüfplan – als eigener Baustein, nicht als Ersatz für AQL [1]. Beauftragen Sie diese Tests früh: Ergebnisse brauchen Zeit, und Nacharbeit verschiebt den Liefertermin.
Der Importeur bleibt verantwortlich
In der EU muss der Importeur die Konformität seiner Ware belegen; Marktüberwachungsbehörden können diese Nachweise verlangen [3]. Prüfberichte und Chargendaten sind deshalb nicht nur Qualitäts-, sondern Konformitätsdokumente – archivieren Sie sie entsprechend.
So gehen Sie vor: Checkliste für die Produktionskontrolle in China
- Fehlerklassen, AQL-Werte und Grenzmuster pro Artikel schriftlich festlegen, bevor die Bestellung bestätigt wird.
- Prüfstufe und Prüfzeitpunkt aus dem Risiko ableiten, nicht aus dem Budget.
- Prüfplan an den Lieferanten senden und die Annahme schriftlich bestätigen lassen.
- Berichtsformat vorab fixieren: Los-Nummer, Stichprobenumfang, Fehler je Klasse, Fotos.
- Laborprüfungen separat beauftragen und mit dem Produktionsplan takten.
- Bei Ablehnung Nacharbeit, Sortierung oder Neuanfertigung schriftlich mit Termin und Kostenträger festhalten.
- Prüfergebnisse mit Chargennummer in die eigene Wareneingangsprüfung übernehmen.
Für Importeure mit eigener Qualitätssicherung ist der Prüfplan das zentrale Steuerungsdokument – nicht der Prüfbericht. DEFELLAS begleitet Fabriksuche, Muster, QC, Verpackung, Fracht und Zoll als Komplettpaket; die Arbeits-MOQ liegt bei ca. 1.200 Stück, produktabhängig. Ein kostenloses Muster vor der verbindlichen Bestellung gehört zum Ablauf, die Zahlung erfolgt zu maximal 50 % Anzahlung mit Restbetrag bei Lieferung. Den Ablauf finden Sie in der Prozessübersicht, die Konditionen unter Preise & Konditionen. Für einen Prüfplan zu Ihrem Artikel schreiben Sie an office@defellas.com oder nutzen die Kontaktseite.


